Codex Manesse (1305/1315) UB Heidelberg (commons.wikimedia)

Antike Manuskripte und alte Bücher

Titus Lucretius Carus: Über die Natur der Dinge (55 v.Chr.)

eBook cover nach Lawrence Alma Tadema (1836-1912)

Das berühmte antike Lehrgedicht "`De rerum natura"' (Über die Natur der Dinge) von dem römischen Dichter LUKREZ wurde von Cicero als Manuskript zusammengefaßt und verdankt sein weitgehend unverfälschtes Überdauern in die heutige Zeit dem Fleiß von Mönchen in mittelalterlichen Klöstern und seine eigentliche Wiederentdeckung einem christlichen  Konzil, welches einen Ketzer vor Ort verbrannte sowie zwei Gegenpäpste absetzte. Dieses berühmte Konzil von Konstanz zog sich über Jahre hin - vom 5. November 1414 bis zum 22. April 1418 - und  Poggio Bracciolini (1380 - 1459), ein Humanist der italienischen Renaissance, war nach der in Konstanz erfolgten Absetzung und Festnahme seines Dienstherrn und Gegenpapstes  Johannes XXII. ohne Anstellung.

Daher nutzte er die Zeit, um in Bibliotheken und Klöstern Deutschlands und Frankreichs nach antiken Texten zu suchen, deren Existenz den frühen Humanisten zwar bekannt war, die aber in Italien nicht mehr auffindbar waren. So entdeckte er um 1417 wahrscheinlich in der Fürstabtei Sankt Gallen (Schweiz), Kloster Reichenau (Bodensee) und der Abtei Weingarten (Baden - Würtemberg) lange verschollene Texte von  Cicero, Tacitus, Quintilian, Vegetius, Marcus Manilius, Ammianus Marcellinus, Vitruv, Statius, Lukrez und  Petronius.

Erst im 19. Jahrhundert erschien, angeregt von Johann Wolfgang von Goethe, die erste deutsche Lukrez -- Übersetzung durch den  Freiherrn von Knebel. Fasziniert von  Lukrez war aber auch  Albert Einstein, der zu der Lukrez -- Übersetzung von  Hermann Diels 1924 ein Vorwort beisteuerte.

 

Lukrez wollte mit seinem Buch (entstanden etwa 55 v. Chr.) eine an Epikur angelehnte Philosophie vermitteln, die dem Menschen Gemütsruhe und Gelassenheit gibt und ihm die Furcht vor dem Tode und den Göttern nimmt, die aus der Unkenntnis des Menschen über seine Stellung in der Welt, über die Natur und das Wesen entspringt und folglich durch Aufklärung überwunden werden muss.

 

(Quelle: z.T. Wikipedia)

 



Nichts wird aus Nichts


Nichts kann je aus dem Nichts entstehn durch göttliche Schöpfung.
Denn nur darum beherrschet die Furcht die Sterblichen alle,
Weil sie am Himmel und hier auf Erden gar vieles geschehen
Sehen, von dem sie den Grund durchaus nicht zu fassen vermögen.
Darum schreiben sie solches Geschehn wohl der göttlichen Macht zu.
Haben wir also gesehen, daß nichts aus dem Nichts wird geschaffen,
Dann wird richtiger auch die Folgerung draus sich ergeben,
Woraus füglich ein jegliches Ding zu entstehen im Stand ist
Und wie alles sich bildet auch ohne die Hilfe der Götter...

 

                                                                                      Lukrez

Daphnis und Chloe (Longos ~150 n.Chr.)

Elizabeth Jane Gardner Bouguereau (1837-1922)

Vorwort zu dem griechischen Hirtenroman Daphnis und Chloe von LONGOS (~150 n.Chr.):


Zu Lesbos auf der Jagd, in einem Haine der Nymphen, sah ich den schönsten Gegenstand, den ich je gesehen, ein Werk der Malerei, eine Geschichte der Liebe. Schön war wohl auch der Hain, baumreich, blumengeschmückt und wohlbewässert: eine Quelle nährte alles, so die Blumen als die Bäume. Ergötzlicher aber war das Gemälde, welches überschwängliche Kunst zeigte und ein Abenteuer der Liebe; daher denn auch viele Fremde dahin kamen auf des Bildes Ruf, Verehrer der Nymphen und Bewunderer des Kunstwerks. Gebärende Weiber sah man darauf; andere, die Neugeborene mit Windeln schmückten; ausgesetzte Kinder; Tiere, die sie nährten; Hirten, die sie wegtrugen; junge Leute, die sich Treue schworen; einen Streifzug von Räubern, einen feindlichen Einfall.
Als ich nun vieles andre noch und alles voll von Liebe sah und bewunderte, ergriff mich ein Verlangen, mit dieser Schilderei wetteifernd zu schildern. Nachdem ich mir also einen Erklärer des Bildes gesucht hatte, arbeitete ich vier Bücher aus, ein Weihgeschenk dem Eros, den Nymphen und dem Pan; allen Menschen aber ein erfreuliches Besitztum, das dem Kranken zur Heilung, dem Trauernden zum Trost, dem Liebeskundigen zur Erinnerung, dem Unkundigen als lehrende Vorbereitung dienen wird. Denn keiner ist je dem Eros entflohen, oder wird ihm entfliehen, solang es Schönheit gibt und Augen sehen. Uns aber verleihe der Gott, die Geschichte der andern mit nüchternem Sinne zu schreiben!...

 

(Übersetzer: Friedrich Jacobs, 1838; neu bearbeitet von Hanns Floerke, 1945)


In der Nachfolger von Daphnis und Chloe steht sicherlich der Roman "Paul et Virginie" von Jacques-Henri Bernardin de Saint-Pierre (1737 - 1814), den auch der junge Alexander von Humboldt sehr schätzte. In der Neuzeit wurde diese alte griechische Hirten - Romanze   in der Musik und in der Kunst durch Ravel und Chagall und im Kino 1963 durch Nikos Koundouros mit dem symbolträchtigen Film "Mikres Aphrodites"  neu interpretiert.  Der Roman "Paul et Virginie" wurde 1974 in einer französischen TV-Serie aufwendig verfilmt, während ganz entfernt  auch noch der Film "The Blue Lagoon" von 1980 an das Sujet erinnert.

Marie Hansen-Taylor (1829-1925)

...Im westlichen Seitengebäude, wo wir wohnten, befand sich in dem Arbeitszimmer meines Vaters (Peter Andreas Hansen) die Verbindung mit der Sternwarte. Hohe doppelte Türen führten zuerst in einen kleinen, völlig dunkeln Raum, wo geladene Flinten und Pistolen an der Wand hingen, von denen aber keine je in Gebrauch kam. Eine festverschlossene Tür führte in die Bibliothek, einen gewaltig hohen Saal, der sich aber an Größe mit den anstoßenden, für Observationszwecke eingerichteten Sälen nicht vergleichen ließ. In den letzteren, wo der strenge Ernst der Wissenschaft den Eintretenden empfing und man nur leise aufzutreten wagte, wurde allein durch das Ticken astronomischer Uhren die feierliche Stille unterbrochen.

 

Diese weiten Räume, mit ihren geheimnisvollen Vorrichtungen, hatten für uns Kinder etwas Schauerliches, ein Eindruck, der noch erhöht wurde durch den Anblick der Kolossalbüsten des Kopernikus, Tycho de Brahe und andrer Berühmtheiten, die unbegreiflicherweise mit schwarzem Firnis überzogen waren. Die Reihe der Säle ward durch die Halle unterbrochen, die mit dem Haupteingang vom Hofe her zusammenhing. Dahinter führte eine steinerne Wendeltreppe auf das platte Dach hinauf, während man durch eine mächtige Flügeltür den südlich gelegenen Hausgarten betrat. In dieser sogenannten Halle wurde an schönen Sommernachmittagen der Kaffee getrunken; auch erfreute man sich hier am Anblick der bläulichen Kette des Thüringerwaldes und der östlich aus der Ebene ragenden Burgen der Drei Gleichen.

 

Ein besonderes Vergnügen gewährte es uns Kindern, wenn wir zu dritt oder viert auf dem Riesenfauteuil sitzen durften, der noch aus der Zeit des Herrn Xaver von Zach stammte und sich durch seine sophaartige Ausweitung und die ungeheuer hohe Lehne auszeichnete. In dem letzten der Säle hatte der Vater sich eine Werkstatt eingerichtet, wo er seiner Liebhaberei für optische und physikalische Mechanik nachging. Hier zerlegte und verbesserte er auch seine Uhren, besonders die von ihm in früheren Jahren selbst angefertigte kleine astronomische Stutzuhr, die er wie seinen Augapfel hütete und tagsüber auf dem Schreibtisch, nachts neben seinem Lager stehen hatte...

 

(Auszug aus der Autobiographie von Marie Hansen-Taylor: Aus zwei Weltteilen; (Kapitel: Auf dem Seeberg) Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart und Leipzig 1905)

Francois Arago (1786 - 1853)

....''Sie sind sehr jung,'' sagte Napoleon, sich mir nähernd; und ohne auf eine schmeichelhafte Antwort zu warten, die hier zu finden so leicht war, fügte er hinzu: ''Wie heißen Sie?'' Die an mich in diesem Augenblicke gerichtete Frage war ohne Zweifel sehr einfach, aber dennoch ließ mir mein Nachbar zur Rechten nicht Zeit zur Antwort, sondern sagte eiligst: ''Er heißt Arago.'' -- ''Mit welcher Wissenschaft beschäftigen Sie sich?'' -- Sogleich erwiederte mein Nachbar zur Linken: ''Er treibt Astronomie.'' -- ''Was haben Sie geleistet?''
Mein Nachbar zur Rechten, unwillig, daß der Nachbar zur Linken ihm sein Recht auf die zweite Frage verkümmert hatte, nahm hastig das Wort und sagte:
''Er hat kürzlich den spanischen Meridian gemessen.''
Der Kaiser, der nun ohne Zweifel vermuthete, er habe vor sich einen Stummen oder einen Einfältigen, wendete sich zu einem anderen Mitgliede des Instituts....

 

(Auszug Sämmtliche Werke 1854; Übersetzer: Fechner, d'Arrest, Scheibner, Dippe, Hankel)

 

Die obige Selbstbiographie ist heutzutage relativ unbekannt und teilt ihr Schicksal mit manch anderen Lebenserinnerungen auch im deutschen Sprachraum. Zu nennen wäre hier zum Beispiel H. Uhde 1873: "Erinnerungen aus dem Leben der Malerin Louise Seidler" (1786-1866), Wilhelm von Kügelgen (1802-1867) "Jugenderinnerungen eines alten Mannes" oder Friedrich Max Müller (1823-1900) "Alte Zeiten, Alte Freunde".

...Du bist es ja allein, der mich betrüben, der mich erfreuen oder mich trösten kann. Und Du bist es allein, der vorzüglich das mir schuldig ist, und darum am meisten, weil ich Alles, was Du befohlen, soweit erfüllt habe, daß ich, die Dir in nichts zuwider sein konnte, auf Deinen Befehl mich selbst dahinzugeben vermochte. Und was noch ein Größeres ist und wunderbar klingt, in solche Raserei ist meine Liebe verwandelt, daß, was sie einzig begehrte, sie selber sich ohne Hoffnung des Wiedergewinnes entzog, da ich sogleich auf Dein Gebot ein andres Kleid und einen andern Sinn annahm, auf daß ich Dich als den alleinigen Herrn meines Leibes wie meiner Seele erwiese. Nichts habe ich jemals, Gott weiß es, in Dir gesucht, als Dich selber, rein nur Dich und nicht das Deinige begehrend. Nicht den Bund der Ehe, nicht andre Heirathsgüter habe ich erwartet, nicht meinen Willen und meine Lust, sondern Deine zu erfüllen gestrebt, wie Du es selber weißt. Und wenn der Name der Gattin heiliger und würdiger scheint, süßer doch war mir's immer, Deine Geliebte zu heißen, oder, wenn Du nicht darüber zürnen willst, Deine Buhle oder Hetäre; damit je tiefer ich mich für Dich erniedrigte, ich um so größere Huld und Gnade bei Dir fände, und den Glanz Deiner Herrlichkeit weniger beleidigte...

 

Aus: Abälard und Heloise
Ihre Briefe und die Leidensgeschichte
übersetzt von Moriz Carriere (1817-1895)

 

Hypnerotomachia Poliphili (1499)

(Der Liebeskampf-Traum des Poliphilos)

Holzschnitt aus "Hypnerotomachia Poliphili"

Hypnerotomachia Poliphili
Francesco Colonna (1499)
(Der Liebeskampf-Traum des Poliphilos)


....Der allerblondeste Kopf erschien mit dem ausgewundenen und gelösten Haupthaar, welches sich über den anmutigen Hals ergoss, überreich an Kringelchen und widerschimmernden Löckchen. In dem sie unbeständig rotschimmerten, sahen sie nicht anders aus als allerdünnste Goldfäden. Das geteilte Scheitelhaar, von einem Gebinde von wohlriechenden und amethystenen Veilchen herabgedrückt, ein kleinwenig in die feierliche Stirn hängend, erschuf einen so sinnlichen dreieckigen Zwischenraum, wie er nie dem Genius zugewiesen ward. Und unter dem Gewindlein von Seide gingen artig die sich rankenden Haare hervor. Obschon sie, teils bebend, die schönen Schläfen beschatteten, verbargen sie nicht die beiden zierlichsten Ohren; schönere als sie je der Memoria geweiht wurden......


(Auszug einer Übersetzung und Kommentierung von Thomas Reiser, 1. Auflage der Interlinearkommentarfassung, Breitenbrunn 2014, Seite 209.)


Der Protagonist Poliphilo träumt von seiner Geliebten Polia, die ihm ständig ausweicht. Er macht sich deshalb auf die Suche nach der sagenhaften Liebesinsel Kythera, um sich dort mit ihr zu vereinen. Unterwegs verirrt er sich in einem Wald, schläft ein und träumt und schildert einen Traum im Traum.  Er kommt in zauberhafte Wälder, Grotten, Ruinen, Triumphbögen, einer Pyramide, einem luxuriösen Bad und einem Amphitheater. Man liest von versteckten Rätsel, Metaphern und philosophischen Gedankenspielen . Poliphilo begegnet Fabelwesen, Allegorien, Faunen, Nymphen, Göttern und Göttinnen und wandert durch prächtige Paläste und paradiesische Gärten.  Die letzteren  erscheinen hier als symbolische Überwelten, als eigene Universen...

Als wahrscheinlicher Urheber dieses höchst merkwürdigen Kunst-Buches  gilt heute  Francesco Colonna (1433/1434 in Venedig;  1527 in Venedig).

Aktuelles

kritisch betrachtet

Was der Autor A. Unzicker bei Telepolis in seinem Artikel "Die Dunkle Energie ist tot - es lebe Einstein" vom 25. Oktober 2016 schreibt, kann man nur als peinlich bezeichnen. Der von Unzicker zitierte Text negiert keineswegs die beschleunigte Expansion. Schon ein expandierender  Newtonscher  N-Teilchenring erfährt kurzfristig eine beschleunigte Expansion, wenn eine symmetrische Paarbildung einsetzt. "Dunkle Energie" ist hier nichts anderes als Gravitationsenergie. Von der Shapiro - Laufzeitverzögerung von Lichtsignalen hat der Autor wohl noch nichts gehört.  Seine Bezugnahme auf einen Artikel  Einstein's von 1911 zeugt von Halbwissen und Halbwahrheiten. Der "krawallartige" Artikel von A. Unzicker dient nicht der kritischen  Aufklärung an einigen Aspekten der heutigen Kosmologie, sondern  verwirrt den Laien vollständig und macht den Autor selber immer unglaubwürdiger.   

Hinweise auf eine angebliche Phase der "Inflation" im frühen Universum zerfallen zu Staub: Im März 2014 veranstaltete ein Team um den Harvard Astronomen J. Kovac (BICEP2) für eine völlig übereilte propagandistische Pressekonferenz (schon einen Tag vorher als  Sensation angekündigt!): Man hat in der Hintergrundstrahlung des Universums Signaturen einer Polarisation entdeckt, die angeblich eindeutig auf Gravitations-wellen in einer Inflationsphase des frühen Universums schließen lassen. Der eigentliche Skandal ist, daß man die Daten fast ausschließlich durch MIE-Streuung von Mikrowellen an inter-stellaren Staubteilchen erklären kann und muss -  und genau daran hatte das "Team" bei der Auswertung nur sehr unzulänglich gedacht! Ein aggessiver Versuch, die Öffentlichkeit durch Sensation zu täuschen und eine nicht überprüfbare (nicht falsi-fisierbare) Theorie (Inflations - Hypothese) salonfähig zu machen. Der Citation-Index dieser Veröffentlichung ist inzwischen wesentlich höher als ihr Widerruf. Die Raffgier nach Forschungs-geldern und Nobelpreisen treibt auch in der Wissenschafts - Industrie  immer bizarrere Blüten...

Nachweis angeblich überall im Universum vorhandener DUNKLER MATERIE gescheitert! Das bis jetzt empfind-lichste Experiment LUX in Sanford/South Dakota USA konnte in einer ersten Phase Ende Oktober 2013 keine WIMPs - Teilchen feststellen, die angeblich einen großen Teil der angeblich existierenden Dunklen Materie ausmachen sollen. Alle früheren angeblichen Nachweise sind somit fehlerhaft gewesen. Ein sehr wichtiges, schönes und befriedigendes Resultat "Die Sekte der Gläubigen an die "Dunkle Materie", die sich selber als alternativlos ansieht,  bleibt so weiter in der Krise.  Hauptsache ist, der Rubel rollt und irgendwelche unkritischen Journalisten predigen fest die Dogmen den Gläubigen. Ob  so weiterhin der von Teilchenphysikern  geschürte "Big Science" Teilchen-Lobbyismus  mit der platten Devise - Wir verstehen nichts, können aber alles erklären - das vorherrschende Dogma bleiben wird, wissen nur die Sterne...